Qigong und Entspannung

Meine 3 besten Entspannungsmythen

Entspannung ist wichtig, das war mir eigentlich schon immer klar. Aber leicht gefallen ist mir Entspannung daher noch lange nicht. Wenn ich so darüber nachdenke, lag das wohl auch daran, dass meine Vorstellungen von Entspannung nicht so hilfreich waren. Hier also meine drei besten Entspannungsmythen. Vielleicht kommt Dir das ein oder andere ja auch bekannt vor. Für mich hat Qigong die Sicht auf Entspannung grundlegend verändert: Entspannung kann leicht sein und Freude machen 🙂

Mythos 1: Wenn ich wieder mehr Zeit habe, entspanne ich mich

„Das Projekt ist gerade stressig, aber wenn es erst vorbei ist, dann kann ich mich ja wieder entspannen.“ So habe ich mir das oft vorgestellt. Nur noch ein wenig durchhalten. Dann wird schon alles wieder gut und ich bin wieder entspannt.

Manchmal war es auch tatsächlich so: Nach einer anstrengenden Phase kam eine ruhigere Zeit und ich konnte wieder durchatmen. Oft folgte aber gleich der nächste Stress: Das nächste Projekt stand an und die Erwartungen und Anforderungen waren noch gestiegen. Oder etwas Unvorhergesehenes kam dazu und verstärkte den Stress. Und so schob ich die Entspannung wieder auf: Wenn erst …

Mit dem Aufschieben der Entspannung schieben wir auch unsere Belastungsgrenze immer weiter hinaus. Das kann eine Weile gutgehen. Wenn uns jedoch dauerhaft die Entspannung fehlt, kommt irgendwann der Punkt, an dem wir von unserer Substanz zehren. Das war auch bei mir so. Was also tun?

Zeit hat man nur, wenn man sie sich nimmt.

Karl Heinrich Waggerln

Statt zu warten, bis wir wieder Zeit haben, sollten wir uns Zeit aktiv nehmen. Und zwar für das, was uns wichtig ist.

Wie wichtig ist uns Entspannung?

Entspannung ist eine wesentliche Voraussetzung für unsere Gesundheit und unser Wohlbefinden. Wissenschaftler gehen heute davon aus, dass die meisten Krankheiten durch Stress verursacht oder verschlechtert werden. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) sieht Stress als eine der größten Gesundheitsgefahren des 21. Jahrhunderts. Verdient Entspannung da nicht einen Spitzenplatz auf unserer Prioritätenliste?

So hilft Qigong

Im Rahmen meiner Ausbildung zur Qigong-Kursleiterin mussten wir uns verpflichten, jeden Tag mindestens 30 Minuten zu üben. Anfangs habe ich das tägliche Üben irgendwie in meinen Tagesablauf hineingequetscht. Aber bald habe ich gemerkt, wie gut mir das Üben tut. Deshalb habe ich Qigong fest in meine Tagesstruktur eingeplant. Ich übe morgens gleich als erstes. So ist Qigong mein Start in den Tag.

Wenn Du mit Qigong gerade beginnst, ist ein fester Kurstermin pro Woche eine guter Anfang. Sobald Du merkst, wie wohltuend Qigong ist, fällt es Dir leichter, diesen Termin konsequent einzuhalten oder sogar mehrmals pro Woche zu üben. Mir der Zeit kannst Du Dir auch ein eigenes Qigong-Programm zusammenstellen. Schon 5-10 Minuten pro Tag machen einen großen Unterschied!

Mythos 2: Entspannen kann ich am Besten, wenn ich nichts tue

Mir ging es früher oft so: Wenn ich eine Atempause hatte und mich entspannen wollte, hab ich mich auf’s Sofa gesetzt und in den Garten hinausgeschaut. Der Blick auf’s Feld, ein wundervoller Sonnenuntergang, da muss man doch entspannen können! Wenn ich dann so da saß, fiel mir oft als erstes auf, dass die Fenster dringend geputzt werden mussten. Und das im Garten noch so viel zu tun war. Aber ich wollte ja entspannen. Also setzte ich „Fenster“ und „Garten“ auf die geistige ToDo-Liste. Und dann zurück zum Entspannen. Oder sollte ich vielleicht doch noch schnell die Wäsche in die Waschmaschine stecken? Und eine E-Mail beantworten? Und so wurde entweder die geistige ToDo-Liste immer länger und hielt mich vom Entspannen ab oder ich gab die Entspannung gleich ganz auf und erledigte was mir dringend erschien.

Mich „passiv“ zu entspannen – also durch Nichtstun – fällt mir oft schwer, weil mein Geist noch auf Hochtouren läuft. Dann fühlt sich das Nichtstun überhaupt nicht nach Entspannung an, sondern macht mich nur unruhig. Wenn es Dir auch so geht, dann ist eine aktivere Form der Entspannung vielleicht hilfreicher für Dich.

So hilft Qigong

Qigong wird oft auch als Entspannung in Bewegung oder Meditation in Bewegung bezeichnet. Die ruhigen und fließenden Bewegungen beruhigen die Atmung und über die Atmung auch den Geist. In unseren Qigong-Kursen starten wir erst mit aktiveren Übungen, wie z. B. dem Schütteln. Dann kommen wir schrittweise mehr in die Ruhe und in die Wahrnehmung des Körpers.

Gleichzeitig richten wir unsere Aufmerksamkeit auf die Ausführung der Übung und auf die zugehörigen Vorstellungsbilder, wie z. B. die Wolke teilen, den Mond halten usw. Dadurch lenken wir unseren Geist von der Hektik des Alltags und unserer ToDo-Liste weg, hin zu ruhigeren und entspannteren Gedanken. Im Qigong sagen wir dazu: Die 10.000 Gedanken durch einen ersetzen. Mir hilft das enorm.

Mythos 3: Ich entspanne mich besser, wenn ich mich mehr anstrenge und es richtig mache

Mein Stress im Alltag ist oft dadurch entstanden, dass ich etwas „richtig“ oder besonders gut machen wollte – ob das im Beruf, in der Freizeit oder im Sport war. In unserer modernen Welt ist der Ansporn zu „höher, schneller, weiter“ so allgegenwärtig, dass wir oft gar nicht merken, wo wir uns überall anstrengen um besser zu werden. Und irgendwann habe ich dann gemerkt, dass ich mich sogar beim Entspannen anstrenge, um „besser“ zu werden!

Diese Vorstellung ist natürlich nicht sehr hilfreich, sondern führt dazu, dass wir unzufrieden sind mit unserer „Entspannungsleistung“: Wir denken, wir müssten uns schneller oder tiefer entspannen können oder bestimmte Übungen einfach „besser“ machen können. Wir vergleichen uns mit anderen – die ja grundsätzlich alles besser können – und bestimmt auch viel entspannter sind. Solche Gedanken eignen sich natürlich hervorragend, um uns von Entspannung abzuhalten.

So hilft Qigong

Im Qigong spüren wir unseren Körper und beobachten unseren Geist. Mit der Zeit werden uns die Denkmuster bewusst, die anstrengend sind und Stress verursachen. Und wenn uns diese Denkmuster erst einmal bewusst geworden sind, können wir sie nach und nach durchschauen und loslassen.

Wir erkennen, dass es im Qigong nichts zu erreichen gibt. Wir müssen keine bestimmten Positionen einnehmen können oder bestimmte „fortgeschrittene“ Übungen erlernen. Wir üben einfach, ohne Erwartungen, ohne Leistungsdruck. Wir nehmen unsere Wahrnehmung nach innen, statt uns mit anderen zu vergleichen. Wir nehmen unseren Körper wahr, ohne zu bewerten. Und das ist dann wirklich entspannend!

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Was sind Deine Erfahrungen?

Wie kannst Du am Besten entspannen? Was sind Deine Erfahrungen mit Qigong? Ich freue mich über Kommentare!

2 Comments

  1. Liebe Andrea, dieser Artikel hat mich sehr berührt denn Du drückst wunderbar in Worten aus, was ich (vermutlich nur unbewusst) empfinde – selbst kreierten Leistungsdruck beim Entspannen, das KANN ja nicht funktionieren! Gut zu wissen, dass ich nicht alleine bin, die das manchmal einfach nicht hinbekommt mit dem „Nichtstun“ und bin Dir sehr dankbar für die wundervollen Qigong Stunden jede Woche, die mich jedes Mal ganz wunderbar entspannen – ganz ohne Leistungsdruck.

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